Von Andreas Riechert
SPIEL DES TAGES Überragender Poharetzki führt Presberg zum 6:1-Sieg über den SV Neuhof
Christian Poharetzki ist ein begnadeter Techniker. Wenn der Spielmacher den Ball streichelt, schnalzen die Kiebitze an der Seitenlinie mit der Zunge. Alles, was der Offensivstratege des SV Presberg auf dem Platz macht, hat Hand und Fuß. Ob filigrane Ballannahme, zentimetergenaue Zuckerpässe, präzise Hereingaben von Außen oder knallharte Torabschlüsse - wenn Poharetzki will, kann er ein Spiel alleine entscheiden.
Die Partie der Fußball-Kreis-Oberliga Rheingau-Taunus gegen den alten Rivalen SV Neuhof war so ein Spiel. Gegen den mit weißer Weste daherkommenden Spitzenreiter, der mit der Empfehlung von sechs Siegen in Serie nach Presberg gereist war, glückte dem überragenden Matchwinner der Gastgeber alles. Jedes Zuspiel fand seinen Adressaten, jede Flanke saß, nahezu jeden Zweikampf entschied der SVP-„Zehner“ für sich. Doch damit nicht genug: Mit seinem famosen Auftritt hatte Poharetzki entscheidenden Anteil an einem im Vorfeld nicht für möglich gehaltenen Überraschungcoup seiner Farben, der einem echten Paukenschlag gleichkommt.
Ein halbes Dutzend Treffer schenkten die Hausherren dem überfordert wirkenden Primus ein und fegten die bemitleidenswerten Neuhofer mit sage und schreibe 6:1 (4:0) vom Platz. Eine echte Demontage der Taunussteiner, die sich wie in einem schlechten Film vorgekommen sein dürften. Poharetzki, der von der Gäste-Defensive zu keiner Sekunde in den Griff zu kriegen war, leitete mit zwei genialen Zuspielen nicht nur die schnelle 2:0-Führung durch Presbergs Spielertrainer Mahir Sahin ein (5./12.), sondern legte auch dessen Sturmkollegen Sasa Prodanovic das 4:0 auf (45.+1) und krönte seine herausragende Leistung mit dem souverän verwandelten Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 3:0 (44.).
Neuhof völlig verunsichert
Während der Tabellenführer völlig verunsichert auftrat, sich früh den Schneid abkaufen ließ und bis auf einen Lattentreffer durch Theodoros Anastasiou (20.) und einen kläglich versiebten Foulelfmeter von Arthur Schmidt (58.) kaum etwas zustande brachte, schraubte der SVP das Ergebnis dank Helmut Preislers feinem Kopfball (5:0/70.) und Sahins drittem Treffer (6:0/75.) weiter in die Höhe. Zu diesem Zeitpunkt hatte Poharetzki längst auf der Ersatzbank Platz genommen und durfte sich bei seiner Auswechslung des rauschenden Beifalls der Presberger Anhänger gewiss sein. „Christian hat wahnsinnige Fähigkeiten. Wenn er sein Potenzial zukünftig immer umsetzt und im Kopf frei ist, kann er einer der Fußballer dieser Region werden“, lobte Sahin, dem aber nicht nur sein Spielmacher gut gefallen hatte. „Die Mannschaft hat heute wirklich sehr stark gespielt. Nach unserer kleinen Durststrecke wollen wir jetzt eine Siegesserie starten“, kündigte der Ex-Profi an. Für Neuhofs Coach Wolfgang Reinhold lag das jähe Ende der SVN-Siegesserie in erster Linie in der mangelnden Ordnung in der Abwehr begründet. „Einige haben heute weit unter Form gespielt und wir haben insgesamt viel zu wenig dagegen gehalten. Presberg war von Beginn an deutlich präsenter. Man darf denen einfach nicht so viel Platz lassen“, ärgerte sich der enttäuschte Übungsleiter.
SV Presberg: Schäffer - Hermann, Obländer, Behrens, Rak - Ghazali (54. Getnet), Preisler, Poharetzki (60. Koxha), Awaden - Prodanovic, Sahin (76. Freimuth).
SV Neuhof: Martin - Hildner, Atalay, Ant. Schmidt - Müller (68. Iren), Sarikaya, Duell, de Blasio, Art. Schmidt - Slamniku (63. Frantzis), Anastasiou (87. Hientz).
Tore: 1:0/2:0/6:0 Mahir Sahin (5./12./75.), 3:0 Christian Poharetzki (44./Foulelfmeter), 4:0 Sasa Prodanovic (45.+1), 5:0 Helmut Preisler (70.), 6:1 Arthur Schmidt (90./Foulelfmeter).- Schiedsrichter: Cevat Kalyoncu (Viktoria Kelsterbach).- Zuschauer: 90.- Bes. Vorkommnis: Gert Schäffer (SV Presberg) hält Foulelfmeter von Arthur Schmidt (58.).
Quelle: Wiesbadener Kurier vom 06.09.10
